Hintergrund
  • Teaser
  • Teaser
  • Teaser
Social Network I Social Network V Auf Kontrastseite umschalten Schrift vergrößern Schrift verkleinern
Aktuelle Meldungen
01.05.2017 | Katharina-Luise Kittler, Redakteurin des Mittelstandsmagazins (05/2017)
Aus Sonne wird Eis
Unternehmensportrait - Florida-Eis
Olaf Höhn produziert sein Eis komplett CO2-neutral in Berlin-Spandau. Mit Photovoltaik lässt er die Sonne täglich für sich arbeiten und zeigt, dass Mittelständler in Sachen Energie umdenken.
Wenn Olaf Höhn morgens aufsteht, um ins Büro zu fahren, dann geht der erste Blick auf seine Solaruhr. Damit er nicht zu spät kommt, hält der Inhaber von Florida Eis die Uhr auffällig häufig in die Sonne, um sie aufzuladen. Sein weißer Mercedes bringt ihn täglich zu seinem Betrieb in Berlin-Spandau. Dort steuert Höhn als erstes eine Steckdose an, denn er fährt ein Elektroauto. Sein Umweltbewusstsein und die Leidenschaft für neue Technologien lebt er nicht nur privat aus. 2013 hat er seine Eismanufaktur neu eröffnet – mit Photovoltaik auf den Dächern und einem Windrad. Ursprünglich bestand Florida Eis aus nur einer Eisdiele mit vier Mitarbeitern. In den 80er Jahren kaufte Höhn die Eisdiele, erweiterte sie um weitere Filialen und investierte in Produktion und Vertrieb, um sein Eis auch in Supermärkten zu verkaufen. Steigende Energiekosten waren eine Motivation für Höhn, seinen Betrieb umzurüsten und in erneuerbare Energien zu investieren. Doch ein Erlebnis während einer Kanadareise war ausschlaggebend: „Wir sind schon mehrmals mit einem Kleinflugzeug über Kanada geflogen“, sagt Höhn. „Unter uns zeigten sich wunderschöne azurblaue Seen. Mit jedem Flug wurden diese Seen größer und wir haben neue entdeckt. Der Klimawandel hätte mir nicht deutlicher vor Augen geführt werden können.“ Mit Hilfe seines Sohnes Björn, der Hydro-Geologie studiert hat, begann Höhn seine neue Manufaktur in Spandau zu planen. Eine CO2-neutrale Produktion war das Ziel, doch während des Baus musste er feststellen, dass die Umsetzung gar nicht so einfach ist. Denn die Vorgaben und Regulierungen für Mittelständler, die ihr Unternehmen mit Photovoltaik ausstatten möchten, sind sehr komplex und mit Stolperfallen behaftet. „Die vielen Regelungen, die mit der Energiewende gekommen sind, schrecken viele Mittelständler ab, sich konkrete Gedanken über eine effiziente Energieversorgung zu machen“, sagt Dr. Sebastian Bolay, der das Referat Strommarkt und Erneuerbare Energien beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) leitet.

Meistens sind mittelständische Unternehmen nicht nur in einer GmbH am Standort organisiert, sondern in mehreren. „Wenn der Unternehmer dann eine Photovoltaik-Anlage auf dem Fabrikdach von Unternehmensteil A installieren will, hat er ein Abgrenzungsproblem“, sagt Bolay. Denn nur der Stromverbrauch im Unternehmensteil A gilt als Eigenversorgung mit einer auf 40 Prozent reduzierten EEG-Umlage. Soll auch Strom aus der Anlage im Unternehmensteil B verbraucht werden, gilt das als Stromlieferung und die volle EEG-Umlage wird fällig.

Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Florida-Eis-Produktionshalle ist nur eine Maßnahme gewesen, die CO2-neutrale Produktion voranzubringen. „In unserer gesamten Produktion kommen effiziente und umweltschonende Technologien zum Einsatz“, sagt Olaf Höhn. So nutzt Florida Eis zur Schockfrostung keinen Strom, sondern Stickstoff. Als Dämmung unter dem gesamten Betriebsgebäude wurde Glasschaumschotter verwendet, das als Recyclingprodukt Energie speichern kann. „Durch den Einsatz von Glasschaumschotter konnten wir auf eine elektrische Bodenbeheizung unter der Tiefkühlzelle verzichten und sparen so wieder sehr viel Energie ein“, sagt Höhn.

Auch bei seinem Fuhrpark setzt der Eiscremefabrikant auf Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit. Die Tiefkühlfahrzeuge von Florida- Eis sind mit einer eutektischen Plattenkühlung ausgestattet und werden auf dem Betriebsgelände durch eine Photovoltaik-Anlage mit Kälte aufgeladen. Diese Plattenkühlung zeichnet sich dadurch aus, dass ihre Bestandteile in so einem Verhältnis zueinanderstehen, dass sie als Ganzes bei einer bestimmten Temperatur fest oder flüssig werden. „Den Kühlkompressor brauchen wir dann nicht mehr und unsere Autos liefern das Eis mit 180 Kilogramm weniger aus“, erklärt Höhn. Sein neuestes Projekt ist eine intelligente Eistruhe, die er demnächst Supermärkten anbieten möchte. Die Truhe erkennt, wie viele Packungen Eis von welcher Sorte noch gelagert werden. Der Kunde soll zudem über eine App verfolgen können, ob seine Lieblingssorte im Supermarkt noch verfügbar ist. Für die Kühlung wird Propangas verwendet statt umweltschädlichem Kühlungsmittel.

Obwohl sich viele Mittelständler ein Beispiel an Unternehmen wie Florida Eis nehmen, werden ihnen immer wieder Steine in den Weg gelegt. „Die meisten Betriebe möchten sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und haben nicht die Kapazitäten, sich mit alternativen Energiemodellen auseinanderzusetzen“, sagt DIHK-Energieexperte Bolay. Vor allem das EEG und die darin enthaltenen Umlagenwürden viel Wertschöpfungspotenzial verschwenden. „Eine Reform des EEG ist dringend notwendig, denn in den nächsten Jahren erwartet uns eine weitere Kostenlawine“, prognostiziert Bolay. Vor allem die Kosten des Netzausbaus und der Netzverstärkung würden deutlich steigen. Aber diese Kosten haben auch positive Auswirkungen.

„Ohne die EEG-Umlage hätte ich mir gar nicht so viele Gedanken über Energieeffizienz in meinem Betrieb gemacht“, sagt Höhn und blickt auf die vielen Rohre und Kabel, die im Herzen seines Betriebs wie ein Knoten zusammenlaufen. Dieser Knoten sorgt dafür, dass die Sonnenstrahlen in Energie für Höhns Eiscreme umgewandelt werden. Vor zwei Jahren war in diesem Herzstück ein Systemfehler. Mehrere Wochen hat es gedauert den Fehler zu finden und die Produktion kam zum Erliegen. „In dieser Zeit dachte ich, es geht nicht weiter und wir sind am Ende“, erinnert sich Höhn. Die Investitionen in neue Technologien hat der Unternehmer trotzdem nie bereut. „Zwar hat mich dieser Fehler fast eine Viertelmillion Euro gekostet, aber ich habe an unserer CO2-neutralen Produktion nie gezweifelt.“ Lehrgeld musste Höhn auch für sein Windrad zahlen, das er auf das Dach seiner Produktionshalle montieren ließ. Mehrmals ist der Blitz eingeschlagen und die Photovoltaik-Anlagen mussten ausgetauscht werden. „Daraus habe ich gelernt“, sagt Höhn und erzählt leidenschaftlich von seiner neuesten Idee. Florida Eis soll mit einem zweiten Betriebsgelände erweitert werden. „Dann stehen die Windräder nicht mehr auf dem Dach, sondern neben der Halle“, sagt er. Die ersten Verhandlungen über mögliche Grundstücke für den Neubau führt der Mittelständler bereits.

Diese Seite in einem sozialen Netzwerk veröffentlichen:

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Yahoo! Bookmarks
  • Windows Live
  • Yigg
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
Suche
Impressionen
Termine